ASM

"Reich doch mal das Adrenalin rüber, mir ist so stressig!" meinte neulich der eine Fluglotse zu seinem Kollegen. Ähnlich nervenaufreibend geht's übrigens, um diese holprige Einleitung zu ihrem glücklichen Ende zu bringen, auch bei THALIONs "Tower FRA" zu, einer Simulation, in der Ihr den Part eines Fluglotsen übernehmt. Der eigentliche Reiz von "Tower FRA" liegt mit Sicherheit in dessen ungeheurer Komplexität, die diese Simulation von vergleichbaren Games stark abhebt. Egal, ob Ihr nun in dem zukünftigen Großflughafen München II bei der Anflugkontrolle oder als "Towerwächter" auf Rhein-Main Euren Dienst schiebt, in jedem Fall erwarten Euch aufregende Stunden. Die Jungs von Thalion haben bei ihrem neuesten Produkt wirklich exzellent recherchiert. So wurde der Arbeitsplatz des Lotsen (Radarschirm samt kleinem Hilfscomputer etc.) äußerst wirklichkeitstreu auf den Screen gezaubert. Ebensowenig durften da Notfälle und sonstige Gemeinheiten fehlen, die Euch gerade in höheren Spielstufen schwer zusetzen werden.

Einzig und allein die Sprachausgabe von "Tower FRA", die den Funkverkehr akustisch wiedergibt, lässt zu wünschen übrig. Zwar wurde nicht auf das Amiga-eigene "Stimmenwunder" zurückgegriffen, doch klingen die digitalisierten Wortfetzen deswegen nicht gerade besser. Im Gegensatz dazu gibts bei der Grafik sowie der Steuerung überhaupt nichts zu meckern.

Fazit: Trotz verhunzter Sprachausgabe kann ich "Tower FRA" dennoch jedem Fan dieses Genres empfehlen, für genügend Spielspaß dürfte nicht nur aufgrund der Realitätsnähe gesorgt sein.

Torsten Blum

Power Play

Was wäre die Passagierluftfahrt ohne die emsigen Helferlein am Boden, die hinter ihren Radarschirmen und Flugleitsystemen sitzen? Am Himmel würde das Chaos herrschen und der Verkehr zusammenbrechen. In Thalions "Tower FRA" könnt Ihr den nervenaufreibenden Job eines Fluglotsen jetzt hautnah nachempfinden. Habt Ihr Euch für einen von fünf Flughäfen entschieden und unter 10 Schwierigkeitsgraden gewählt, dann steht einer Karriere als Lotse nichts mehr im Wege. Auf einem Radarbildschirm mit angeschlossenem Kleincomputer, müsst Ihr die dicken, geflügelten Brummer durch emsige Mausklicks entweder sicher auf den Boden bringen oder von Funkfeuer zu Funkfeuer lotsen. In höheren Schwierigkeitsstufen machen Schlechtwetterzonen, Militärflüge und Notlandungen den Arbeitsalltag zu einer rechten Qual: Kleine Privatmaschinen müssen Gewittern ausweichen und Düsenjäger brettern durch die Einflugschneise. Wer dann zu lange zögert, hat schnell das größte Chaos in seinem Luftraum. "Tower FRA" läuft nur mit einem MByte.

"Tower FRA" ist ein höllisches Programm. Grafisch eher schlicht und auf den ersten Blick spielerisch recht unscheinbar, ist es doch schon nach wenigen Minuten um Ruhe und Selbstwertgefühl des Lotsenneulings geschehen. Die einzelnen Maschinen und Flugdaten fliegen einem (im wahrsten Sinne des Wortes) nur so um die Ohren. Hat man mit Schweissperlen auf der Stirn und zittrigen Händen den Durchgang geschafft, ist klar, warum unter Fluglotsen auffallend viele Frührentner und Herzkranke sind. An dieses Spiel sollten sich wirklich nur Leute wagen, die vor einem gehobenen Stressfaktor nicht zurückschrecken.

 

Amiga Joker

Vier hübsche Flughäfen warten in dieser gelungenen Airport-Simulation auf einen neuen Lotsen, der all den kleinen Flugzeugen zeigen darf, wo es langgeht. Bei den Lotsenjobs wird unterschieden zwischen Überflug-, Anflug-, Abflug- und Towerkontrolle. Schwierigkeitsgrade gibt es auch in rauhen Mengen, allerdings sind sie nicht frei wählbar (eher Erfahrungslevel). Zu sehen ist während des gesamten Spiels ein Radarschirm, der (etwas) größer als der Screen ist und sich durch einfaches Hin- und Herbewegen der Maus verschieben lässt. An seinem linken Rand ist ein Kontrollstreifen mit den wichtigsten Daten der einzelnen Flüge; rechts befindet sich eine kleine Tastatur, über die man verschiedene Informationen einholen und die Darstellung auf dem Radarschirm verändern kann. So ausgerüstet macht man sich an die schweisstreibende Aufgabe, Flüge zu koordinieren, sichere Starts und Landungen zu produzieren etc.. Mit wachsender Erfahrung klettert man die Karriereleiter nach oben, aber auch die Anforderungen steigen: Es kommen Finessen wie Militärflüge, Schlechtwettergebiete und sogar Entführungen ins Spiel.

Die Grafik ist naturgemäß nicht aufregend anzusehen, aber technisch sauber gemacht. Die Maussteuerung ist präzise, der Sound bietet gar eine (englische) Sprachausgabe, und die Sache spielt sich verdammt gut. Bleibt eigentlich bloß zu wünschen, dass bald Data-Disks mit noch chaotischerem Luftverkehr erscheinen!

(wh)

Amiga Magazin

Des Lotsen schwerer Job
Freunde von realistischen Simulationen aufgepasst! Für den Amiga gibt es mit "Tower FRA" die erste Simulation des Arbeitsbereichs eines Fluglotsen.

Lufthansa 411 - Ready for take-off. Der Lufthansa-Flug Nummer 411 ist startbereit, die Maschine will abheben. Der Lotse im Tower schaut auf die Statustafel für die Rollwege. Eine Boeing 727 der Air France ist gerade gelandet und rollt aus. Auf Startbahn 25 links ist noch die Feuerwehr mit der letzten Notlandung beschäftigt. Das Platzwetter ist ausgezeichnet, schwacher Wind aus westlichen Richtungen, Rollweg A und Startbahn 25 rechts sind frei. Lufthansa 411 - taxi via taxiway alpha to runway 25 right - cleared for take-off. Rollfreigabe, Startfreigabe, die Maschine setzt sich in Bewegung. Kurz darauf befindet sich das Flugzeug in der Luft, wird sicher vom Lotsen in das Überflugstreckensystem eingefädelt und schließlich über die Abflugkontrolle an eine Streckenkontrolle abgegeben.

"Tower FRA" heißt die neue Fluglotsensimulation, in der das Tätigkeitsfeld der Fluglotsen wirklichkeitsgetreu in Software umgesetzt wurde. Einige Amiga-Spieler kennen vielleicht noch das Fluglotsenspiel "Kennedy Approach". Im Gegensatz zu diesem oder ähnlichen Programmen gibt es in "Tower FRA" aber nicht nur einen Kontrollschirm pro Flughafen, auf dem vom Spieler Flüge aller Art abgewickelt werden (Starts, Landungen und Überflüge), sondern vier. Das entspricht der üblichen Aufteilung der Gesamtaufgabe auf einem Flughafen. Es gibt eine Towerkontrolle, aber auch eine Abflug-, Anflug- und Streckenkontrolle. Alle arbeiten letztendlich Hand in Hand, um einen Flug vom Start- bis zum Zielort zu geleiten. Die Bildschirmdarstellung von "Tower FRA", in der das Flugverkehrsaufkommen abgebildet wird, unterscheidet sich ebenfalls deutlich von bisher auf dem Amiga gesehener Software. Gezeigt wird hier im wesentlichen ein Radarschirm, mit dem sich, wie in Wirklichkeit, die meisten Lotsen begnügen müssen.

Nach dem Laden sollte man sich zuerst für den Flughafen entscheiden, an dem man als Lotse arbeiten möchte. In der deutschen Version des Programms stehen vier Flughäfen zur Wahl: Elz - ein Kleinflughafen im Taunus, auf dem ausschließlich Kleinmaschinen verkehren, sowie die bekannten Großflughäfen Frankfurt, München-Riem und der noch in der Fertigstellung befindliche Münchner Flughafen "München II". Nach der Wahl des Flughafens wird der Schwierigkeitsgrad eingestellt. Zehn Levels stehen zur Verfügung. In den unteren Stufen bleibt das Flugverkehrsaufkommen gering, zusätzliche Schwierigkeiten treten nicht auf. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad wachsen die Anforderungen. Militärflüge behindern den normalen Ablauf, Schlechtwetterzonen schränken die Bewegungsfreiheit ein, Schäden an Trieb- oder Fahrwerken und medizinische Notfälle an Bord erfordern ein gewissenhaftes Notfall-Handling. Wenn schließlich noch eine Maschine entführt wird oder ein Pilot trotz Landeanweisung einfach durchstartet, kommt der Lotse ins Schwitzen.

In "Tower FRA" müssen Sie sich für eine Kontrollstelle entscheiden. Wie erwähnt gibt es vier Kontrollbereiche. Zum ersten die Towerkontrolle. Der Towerlotse ist für den direkten Platzverkehr verantwortlich. Darunter fallen Starts, Landungen und die Rollverkehrsführung auf den Rollwegen von und zu den Start- und Landebahnen. Zum zweiten gibt es die Abflugkontrolle. Sie nimmt abfliegende Maschinen entgegen, fädelt sie vom Startbahnkurs aus ins Überflugstreckensystem ein und gibt sie schließlich an einen Streckenlotsen ab. Damit hätten wir drittens die Streckenkontrolle, die Abflüge entgegennimmt, alle Überflüge leitet und Flugzeuge, die landen wollen, in den Flughafensektor lotst und an die Anflugkontrolle abgibt. Als letztes verbleibt die Anflugkontrolle. Der Anfluglotse fädelt eine Maschine aus dem Streckensystem aus, bringt sie unter Beachtung der Windrichtung auf den korrekten Landebahnkurs; gestartet und gelandet wird aus Gründen des Auftriebs immer gegen den Wind. Der Hauptarbeitsbereich ist so groß, dass er auf dem Amiga-Bildschirm in sechs Teile aufgeteilt werden musste. In der Mitte befindet sich das Wichtigste - der Radarschirm. Hier werden anhand einer speziellen Symbolik der Flugverkehr und alle weiteren Daten abgebildet. Neben den einzelnen Maschinen sieht man den Flughafensektor, das Start- und Landebahnsystem, Erhebungen in der Landschaft, Flugstraßen, Anflug-Funkfeuer (VOR) und Schlechtwetterzonen. Die Maschinen selbst werden als Quadrat, Dreieck oder Stern (je nach Status) dargestellt. Zusätzlich sind zwei Positions-Vergangenheitssymbole und ein Informations-Textetikett angehängt. Letzterem entnimmt der Lotse den Funkruf, die Höhe und die Geschwindigkeit. Die Anwahl der Flugzeuge erfolgt durch Klick mit der Maus; in dem darauf erscheinenden Kontrollfenster können fast alle Anweisungen erteilt werden: Direkter Steuerkurs oder aber Anflug eines Funkfeuers, Fliegen einer Warteschleife über einem Funkfeuer, Höhe und die Geschwindigkeit. Links des Radars befindet sich der sog. Kontrollstreifenbereich. Hier ist der gesamte Flugplan (bis zu 100 Flüge) aufgelistet mit allen wichtigen Daten zur jeweiligen Maschine. Rechts des Radars befindet sich ein Minirechner, der weitere wichtige Funktionen übernimmt. So kann zu jedem Maschinentyp eine Informationsseite mit spezifischen Daten abgerufen werden. Die Radarstellung kann beeinflusst, Statustafeln abgerufen oder die Feuerwehr alarmiert werden.

Der Alltag eines Fluglotsen ist auf dem Amiga mit "Tower FRA" in fast allen Details nachempfunden. Zudem kommt noch die Sprachausgabe, die mit über 90 Worten alle Befehle auch akustisch wiedergibt. Um "Tower FRA" zu realisieren, standen zunächst einmal umfangreiche Recherchen an. Als das Projekt vor ungefähr einem Jahr begonnen wurde, hatte bereits ein Besuch der Programmierer im Frankfurter Tower stattgefunden. Die Lotsen erklärten ihre Arbeit bis ins Detail - das "Grundbyte" war gelegt. Nach Ausarbeitung des Konzepts erfolgte ein weiterer Besuch bei Flugsicherungsbeamten in München, Fotos wurden geschossen, Literatur gewälzt. Nach Fertigstellung des Programms wurde die Simulation abermals einem Münchner Fluglotsen vorgeführt und letzte Änderungen eingefügt. Nach fast einem Jahr Entwicklungszeit für die Simulation heißt es jetzt: Tower FRA - cleared to land! - Roger.

(Atlantis, Dunantstr. 53, 5030 Hürth, Telefon 02233 / 41081, Preis: ca. 100 Mark)

Michael Müller/ jk